Ein halbes Jahr Ostbelgien

Nun bin ich schon seit etwas mehr als fünf Monaten hier in Ostbelgien und es fällt mir furchtbar schwer, alle meine Eindrücke auf Papier zu bringen. Ich habe bereits jetzt so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll…

Musikalisch habe ich mein Jahr begonnen. Mit der Musikakademie durfte ich in Botrange spielen, mit eastbelgica in St. Vith und mit dem Chor in der Mürringer Kirche singen… so habe ich bereits bei vierzehn Konzerten mitgespielt und mitgesungen – auch musikalisch kann man Ostbelgien kennenlernen.

 

Mit den anderen Freiwilligen habe ich die Gegend rund um Eupen erkundet, sei es an einem regnerischen Sonntag in Malmedy, an dem wir im Malmundarium über die Geschichte Malmedys lernten, bei einer abenteuerlichen Übernachtung in boskanter oder unsere obligatorischen Fahrten nach Aachen.

In den letzten Monaten war ich am belgischen Meer die Zehen ins Wasser strecken, mit meinen Großeltern im Venn spazieren und mit den Rädern an der Wesertalsperre. In Maastricht aß ich in einem Katzencafé veganen Kuchen und mit anderen Freiwilligen versuchte ich im Dreiländerpunkt in allen drei Ländern gleichzeitig zu stehen.

Mir ist es sehr wichtig das Leben der Ostbelgier kennenzulernen und mitzuerleben. Nun steht ja bald Karneval an und ich bin schon sehr gespannt! Im Herbst lief ich beim St. Martins Umzug mit (mit meiner eigenen Igellaterne aus dem Kindergarten!) und versuchte eine Gans zu gewinnen. Nun ja, hat leider nicht funktioniert… Dafür war ich bei dem Tanzfestival „Die Stadt tanzt“ in der Unterstadt und habe mir bei einem musikalisch, historischen Abend von eastbelgica im Funkhaus des BRF die Geschichte der Eupener Befreiung nach dem zweiten Weltkrieg angehört. All diese kleinen Aktivitäten prägen mein Jahr in Ostbelgien.

Für mich macht Ostbelgien wirklich seine Menschen aus. Ich bin so vielen herzenslieben Menschen begegnet, die mich von unserer ersten Begegnung an aufnahmen. Hier in der Gemeindeschule wurde ich mit offenen Armen empfangen, beim Orchester wurde ich von Tag 1 als Mitglied wahrgenommen und im Chor hat man mich einfach angelächelt und mir einen Platz angeboten.

Aber nicht nur die Belgier, auch die Freiwilligen, die mit mir dieses Jahr hier in Eupen leben, habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen. Ich bin so dankbar für all die Erlebnisse, die wir gemeinsam erleben durften. Ich freue mich auf alles, was noch kommt!

Wie man lesen kann, war mein erstes halbes Jahr schon sehr erlebnisreich. Viel zu ereignisreich für diesen kurzen Beitrag. In den nächsten fünf Monaten habe ich aber noch einiges geplant und so bin ich schon gespannt, was Ostbelgien noch so für mich bereithält!

 

Hallo, mein Name ist Emilia Brandner und ich komme aus Linz, Österreich. Dieses Jahr darf ich hier im Kindergarten Hauset mein freiwilliges soziales Jahr im Rahmen des ESK absolvieren und unglaublich aber wahr, mittlerweile sind schon mehr als 2 Monate vergangen, seitdem ich zum ersten Mal Ende August in Ostbelgien aus dem Zug stieg.

Auf die Frage, was ich nach meinem Abitur gerne studieren möchte, wusste ich nie eine Antwort. Ich wusste nur, dass ich gerne ins Ausland reisen möchte. So fand ich das Freiwilligenprojekt der EU und mir war von Anfang an klar, dass das genau das Richtige ist. Die europäische Idee gemeinsam mit einer sozialen Aktion zu verbinden, finde ich eine wirklich schöne Erfahrung für uns Jugendliche. Spontan suchte ich nach Projekten und als ich eine Zusage von der Gemeindeschule Hauset bekam, musste ich keineswegs lange überlegen. Sofort war mir klar: hier will ich hin.

Meinen ersten Tag im Kindergarten werde ich wohl nie vergessen. Natürlich war alles neu und aufregend und auch ein klein wenig einschüchternd (sich vorzustellen, dass man irgendwann wissen sollte, wo welches Spiel aufgeräumt wird und ob in dem Metallkännchen jetzt Apfelschorle oder purer Apfelsaft ist puhh) aber gleichzeitig wurde ich so herzlich empfangen und aufgenommen. Sowohl von meinen Kolleginnen und Kollegen, die von Beginn an versuchen mir die bestmögliche Erfahrung zu bieten, als auch von den Kindern, die mich einfach an die Hand genommen haben und mir alles gezeigt haben.

Mittlerweile machen die Kinder meistens keinen Unterschied mehr, ob sie zu mir oder zu einem richtigen Kindergärtner kommen, um Fragen zu stellen, was mich unendlich freut. Zu sehen, wie die Kinder mich respektieren und akzeptieren, fühlt sich wunderschön an und ich sehe, dass meine Zeit hier im Kindergarten auch für die Kinder wertvoll ist. Besonders liebe ich die Waldtage, wenn sich die Kinder an der frischen Luft so richtig austoben können, die Turnstunden, wenn ich so richtig mitverfolgen kann, wie sich die Kinder von Stunde zu Stunde entwickeln und sich neues trauen, die Zeit des Freispiels, wenn die Kinder kreativ werden oder draußen in ihre Fantasiespiele versinken… ach, ich finde alles toll! Jeder Tag ist aufregend neu und niemals wie der zuvor und jeden Tag, wenn ich im Bus zurück nach Eupen sitze, merke ich wie viel ich wieder gelernt habe.

In den Beruf des Kindergärtners hineinzuschnuppern, ist keineswegs das einzig aufregende seitdem ich hier in Ostbelgien lebe. Zwar bin ich nicht zum ersten Mal für lange Zeit weg von zu Hause, doch trotzdem ist das Ausziehen in eine neue, fremde Stadt natürlich spannend. Von Anfang an habe ich versucht am Leben in der DG teilzuhaben, so spiele ich beispielsweise im Orchester „eastbelgica“ Bratsche, singe im Chor „musica cantica“ mit und spiele in der Musikakademie Fagott. Und wenn ich gerade einmal keine Probe habe (was ehrlich gesagt selten vorkommt) treffe ich mich mit den anderen Freiwilligen, die in Eupen wohnen und erkunde die Gegend oder verbringe einfach lustige Nachmittage mit meinen neuen Freunden.

Ich bin gespannt, was die nächsten acht Monate noch für mich zu bieten haben!